Die Geschichte Eritreas
Eritrea war von 1885 bis 1941 italienische Kolonie. Im 2. Weltkrieg übernahmen die Briten nach
ihrem Sieg über die Italiener in der Schlacht bei Asmara die Oberherrschaft über dieses Gebiet
und überantworteten es 1950 der UNO zur Entscheidung darüber, was künftig mit diesem Land
geschehen solle.
Die UNO föderierte 1952 Eritrea als "autonome Einheit" mit Äthiopien, obwohl
das zu jener Zeit schon auf entschiedenen Widerspruch in Eritrea stieß.
Selassie brannte ganze Dörfer nieder
Die Briten hatten die Bildung von Parteien und Gewerkschaften zugelassen und damit Foren für
demokratische Meinungsbildung geschaffen. Das in dieser Zeit gewachsene Selbstbewußtsein der
Eritreer formierte sich zum aktiven Widerstand, als Kaiser Haile Selassie in den 50er Jahren
immer mehr in die Autonomie Eritreas eingriff, Gewerkschaften verbot.
1958 gründeten Exileritreer
im Sudan die erste Widerstandsbewegung, Eritrean Liberation Movement (ELM). Die 1960 in Kairo
gegründete Eritrean Liberation Front (ELF) begann 1961 den bewaffneten Widerstand gegen
den Machtmißbrauch Haile Selassies, was dieser mit brutalen Vergeltungsmaßnahmen gegenüber
der eritreischen Zivilbevölkerung beantwortete. Er brannte ganze Dörfer mit ihren BewohnerInnen
nieder. 1962 annektierte er Eritrea als 14. Provinz.
30 Jahre Krieg
Der Unabhängigkeitskrieg dauerte 30 Jahre (1961-1991). Während Äthiopien von den USA, später von
der UdSSR und dann von Israel umfangreiche Waffenhilfe erhielt, waren die eritreischen
Befreiungsbewegungen ELM, ELF und die 1970 gegründete Eritrean People's Liberation Front (EPLF)
fast auf sich gestellt: Sie hatten nur im Sudan ein sicheres Rückzugsgebiet und nur in der wachsenden
Zahl der Exileritreer zuverlässige Unterstützer. Relativ unregelmäßig erhielten sie Hilfe von einigen
arabischen Staaten.
1991, nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und nachdem sich die äthiopische
Befreiungsbewegung Tigrayan People's Liberation Front (TPLF) und die EPLF gegen den in Äthiopien
regierenden Militärherrscher Mengistu verbündet hatten, gelang es schließlich, die äthiopischen
Besatzungskräfte aus Eritrea zu vertreiben.
Frauen auf die Frauenunion angewiesen
Formell wurde die Unabhängigkeit 1993 nach einem nationalen Referendum erklärt.
Die EPLF hat sich nach dem Krieg umbenannt in "People's Front for Democracy and Justice" (PFDJ),
sie stellt die Regierung. Andere Parteien sind nicht zugelassen.
Verbal hält die PFDJ am Anspruch, konsequente
Gleichberechtigungspolitik zu betreiben, fest. De facto sind Frauen jedoch weitgehend auf das
Lobbying und die Aktivitäten der
Frauenunion angewiesen.
Der Krieg gegen Äthiopien; Mai 1998 - Juni 2000
Im Mai 1998 marschierte die eritreische Armee in Badme ein. Vorausgegangen war
ein lokaler Konflikt, der 1992/93 begann und seit Herbst 1997 von beiden Seiten
immer mehr auf die Spitze getrieben wurde. Beide Präsidenten, Meles Zenawi (Äthiopien)
und Isaias Afewerki (Eritrea), sahen sich im Winter 1997/98 einer erstarkenden
Opposition im eigenen Land gegenüber.
Ein Zustand zwischen Krieg und Frieden verschaffte beiden innenpolitisch Luft.
Das "Spiel" eskalierte jedoch, es wurde Krieg daraus. Die Eritreer gerieten dabei
zunehmend in die Defensive. Beide Staaten rüsteten auf, aber das Budget Äthiopiens
war ungleich größer.
Internationale Gemeinschaft hielt sich zurück
Im Frühjahr 1999 und bei der Invasion Mai 2000 ging die
Aggression eindeutig von Äthiopien aus. Die internationale Gemeinschaft verhielt sich
"diplomatisch", statt auf militärische Aggressionen und ethnische
Vertreibungen (Äthiopien enteignete 70.000 dort lebende Eritreer und wies sie aus)
mit klaren Resolutionen zu reagieren.
Das lief auf eine Unterstützung des stärkeren Äthiopien hinaus. Eritrea zeigte
sich bei den Friedenverhandlungen während der zwei Kriegsjahre kompromißbereiter,
aber auch nicht nicht konsequent zum Frieden entschlossen. Mehrfach wurde
Eritrea von den Verhandlungsführern zugunsten von Äthiopien hintergangen.
Der Waffenstillstand von Algier (18. Juni 2000) sieht einen Rückzug zu den
Grenzen vor Ausbruch des Krieges vor. Auf eritreischem Boden soll entlang der
Grenze eine Sicherheitszone eingerichtet werden, die von UN-Truppen kontrolliert wird.
Eine unabhängige Gruppe soll die Demarkation vornehmen.
Die Hälfte der Bevölkerung wurde vertrieben
Anfang Juni waren 1,5 Millionen Menschen, etwa die Hälfte der eritreischen
Bevölkerung, aus ihren Heimatdörfern vertrieben. Viele lebten in Flüchtlingslagern,
andere wurden von Verwandten aufgenommen. An der Grenze im Süden liegen Minen
und Blindgänger, es wird ein bis zwei Jahre dauern, bis die Menschen dorthin
zurückkehren können.
Die anderen Flüchtlinge, die Mehrheit, können in ihre
Dörfer zurückgebracht werden, sobald sie dort dezentral mit Nahrungsmitteln
versorgt werden können. Die Zerstörungen halten sich vielerorts in Grenzen,
sie betreffen vor allem Regierungsgebäude, Hotels, Brücken und andere
Infrastrukturgebäude.
Hilfe zum Neustart wird benötigt
Die Hütten sind intakt, allerdings ausgeplündert. Hinter den äthiopischen Soldaten
gingen Zivilisten, die allen Besitz mitnahmen. Auch alle Tiere, die nicht
weggelaufen waren. So haben auch einige Esel den Besitzer gewechselt und
wurden mit Beutegut beladen nach Äthiopien geführt. Manche Frauen haben ihre
Esel aber auch wiedergefunden.
Am 27. Juni hat die Regenzeit begonnen. Die Flüchtlinge waren zu dieser Zeit noch
in den Camps. Deshalb konnten sie nicht ausgesäen, ohnehin hätten sie kein
Saatgut gehabt. Eritrea ist nun für mindestens anderthalb Jahre von Nahrungsmittelhilfe
abhängig.
Schon Mitte Juni waren etliche große Hilfsorganisationen im Land, die diese
Nothilfe unter der Leitung des sehr zuverlässigen eritreischen Flüchtlingshilfswerks
(ERREC) verteilen. Wichtig ist aber darüberhinaus, daß die Menschen eine Starthilfe
bekommen, um sich zumindest einen Teil ihres Lebensunterhaltes selbst verdienen zu können.