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Reisebericht Juni 2005

von Stefanie Christmann

Die Vorsitzende der Esel-Initiative, Stefanie Christmann, war im Mai/Juni 2005 in Gash-Barka und in Debub, um sich das Projekt vor Ort anzuschauen. Der Flug wurde über www.atmosfair.de klimaneutral gestellt. Die Reise und alles, was damit zusammen hängt, wurde wie immer privat finanziert.

"Der Esel hat eine riesige Veränderung gebracht. Alles ist einfacher geworden." So fasste Hiwet Woldegirisch die vergangenen Jahre zusammen. Ihr Mann ist schon lange tot. Die 45 jährige Hiwet lebt in Zumeto, einem kleinen Dorf bei Adi Felesti. Sie muss drei Stunden bis zur Wasserstelle laufen - und zurück. In einer steilen, unbewohnten Berglandschaft. Die größte Veränderung sei, dass der Esel jetzt die schwere Wasserlast trage.

Seit Anfang 2004 hat sie den Esel. Hiwet kaufte mit dem Geld aus Wasser- und Holzhandel bereits eine Henne und hat schon Küken. Sie pflanzte mehrere Bäume auf ihrem Grundstück: "Bauholz für meine Kinder, wenn sie einmal heiraten." Ihr Esel ist tragend. Das Fohlen will sie behalten und dann in einigen Jahren mit zwei Eseln arbeiten. Die drei Kinder gehen zur Schule.

Wasser für die Mönche

Die Dörfer Zumeto und Denberguruf liegen einsam auf Bergkuppen in einer atemberaubend schönen, aber unwirtlichen Landschaft in Debub. Einige Frauen gehen mit ihren Eseln sogar zu Fuß ins zehn Kilometer entfernte Kloster Abune Endrias, um dort an die Mönche Wasser zu verkaufen. Sie laufen mit den Eseln ins sechs Stunden Fußweg entfernte Dbarwa, um Holz zu verkaufen. Ohne Esel müssen allein erziehende Frauen in dieser entlegenen Region ständig ihre Nachbarn um Lebensmittel bitten.

Handel wird erweitert

Netseti Araia hat, bevor sie 2004 einen Esel erhielt, in ihrer Verzweiflung auf dem eigenen Rücken Holz ins mehrere Stunden entfernte Adi Felesti geschleppt, um wenigstens ein bißchen zu verdienen. Sie ist 25 Jahre alt. Ihr sehr viel älterer Mann starb, als sie schon zwei Kinder hatte - heute 6 und 8 Jahre alt.

Mit dem Esel verkauft Netseti jede Woche Holz in Adi Felesti für 25-30 Nakfa und Wasser im Dorf für 15-20 Nakfa. Anfangs kaufte sie vom Verdienst nur Lebensmittel, inzwischen hat sie auch ein Huhn und Küken. Denn ihr Plan ist, Hühner großzuziehen und dann ihren Holzhandel durch Hühner- und Eierhandel aufzustocken, so dass der weite Weg nach Adi Felesti sich noch mehr lohnt.

Weg von den Schwiegereltern

Gelet Negassi, eine 25 jährige Witwe mit drei kleinen Kindern, lebt in Newihzeban, einem Dorf bei Kudo Felasi (Debub). Sie ist darauf angewiesen, bei den Schwiegereltern wohnen zu dürfen.

Als sie im Herbst 2003 hörte, dass in ihrem Dorf Esel vergeben würden, sah sie ihre Chance, endlich allein mit ihren Kindern zu leben und alle Entscheidungen alleine treffen zu können. Sie beantragte und erhielt einen Esel. Die Frauenunion half ihr, ein Grundstück bei der lokalen Verwaltung für sich zu registrieren.

Inzwischen hat sie das Baumaterial beisammen: riesige Steine, die sie mit dem Entgelt aus Wasser- und Holzhandel von Kamelbesitzern gekauft hat, und Holz, das sie selbst gesucht hat.

Jetzt spart sie einen Teil ihrer Einkünfte aus Transporten nach Mendefera (hin und zurück: zehn Stunden), um für die Männer des Dorfs, die beim Bau helfen, kochen zu können. Sie hofft, im nächsten Jahr einzuziehen.

Esel werden geschont

Gash-Barka, Mensura: flaches Land und lastende Hitze. Seit Jahren herrscht Dürre, Menschen und Tiere waren geschwächt. Die Frauen schonten die Esel, reduzierten den eigenen Wasserkonsum und den Wasserhandel. Denn stürbe der Esel, müssten sie selbst oder ihre Töchter wieder bei mehr als 40 Grad im Schatten in der prallen Sonne Wasser und Holz schleppen. Sie hätten keine Einkünfte mehr.

Neues Selbstbewusstsein

Techat Asfaggi (Tigrigna, 35 Jahre), Amna Karaden und Hadijja Saleh (beide Hedareb) haben 1996 von den ersten Spendengeldern einen Esel bekommen. Damals lebte Techat in einer Hütte. Vor ein paar Jahren hat sie ein komfortables Lehmhaus gebaut. Sie verkauft Wasser und hat inzwischen drei Ziegen und ca. 20 Hühner. Ihre fünf Kinder gehen alle zur Schule, sie selbst seit zwei Jahren ebenfalls. Sie hat echten Wohlstand für sich und ihre Kinder erreicht, wirkt selbstbewusst und entspannt.

Amna sorgt allein für zwei eigene Kinder (eins mit Mehrfachbehinderung) und ein Enkelkind. Die 40 jährige geht jede Woche zum Markt. Samstags packt sie frühmorgens Schilf und manchmal Matten auf den Esel und geht ca. 35 km durch die Hitze nach Hagaz. Sonntags verkauft sie, montags geht sie zurück nach Mensura.

Hadijja (45) transportiert Getreide zur Mühle und hat ein eigenes Haus für sich und die zwei Töchter gebaut. Vor allem reitet die Hebamme auf dem Esel in die umliegenden Dörfer, besucht Schwangere, hilft bei Geburten und betreibt Aufklärung gegen Genitalverstümmelung.

Haus und Hof

Gash-Barka, an der sudanesischen Grenze rings um Tessenei: Kadijja Homed, eine 35 jährige Tigre, vier Kinder, aus Ad Shubur hat seit 2003 einen Esel. Sie habe vorher 30-40 Nakfa im Monat verdient, jetzt je nach Jahreszeit 100-300. Sie hat bereits ein sehr gutes Haus gebaut und zwei Ziegen und zwei Hühner gekauft.

Die 30 jährige Tigre Bekita Shinkaha aus Ali Ghider hat mit ihrem Verdienst und einem Zuschuss der Frauenunion sogar ein Kalb gekauft. Inzwischen hat Bekitas Kuh zweimal gekalbt. Die zwei Töchter gehen zur Schule, sie selbst seit kurzem ebenfalls.

Ein Haus für zehn Kinder

Tsirha Geresghir, eine 40 jährige Tigrigna aus Ali Ghider, wurde während der Schwangerschaft mit dem 10. Kind von ihrem Mann verlassen. 2003 erhielt sie einen Esel und hat mit dem Esel ein großes Haus gebaut. Eine enorme Leistung - zumal bis auf das 5 jährige Kind alle zur Schule gehen.

Hebammentaxis landesweit

Das Hebammentaxi-Projekt hat nicht nur in Gash-Barka begonnen, sondern auf Wunsch aller Provinzen landesweit mit bis zu 20 % des Spendengeldes. Die Kriterien: der Radius, in dem die Hebammen tätig sind, ihr Qualifikationsgrad und überzeugendes Engagement gegen Genitalverstümmlung.

Gegen Genitalverstümmelung

Die Frauenunion und das Gesundheitsministerium führen eine neue Aufklärungskampagne gegen Genitalverstümmelung u.a. in Gash Barka und Anseba. Die höchsten Würdenträger aller in Eritrea vertretenen Regionen unterstützen diese Kampagne aktiv und explizit.

Und noch eine gute Nachricht: Mitte Juni begann starker und anhaltender Regen. Auf der Rückfahrt von Tessenei nach Asmara trug die Landschaft schon einen grünen Flaum.

Weiterhin hoher Bedarf

Anmerkung: Angaben zum Vergabebericht 2004 befinden sich unter Aktuelles.

Für die Eselvergabe wählt die Frauenunion andere Dörfer aus als 2004 und beginnt jetzt schon mit den Treffen zur Auswahl der Frauen, damit sie die Esel dann zügig vergeben kann.

Der Bedarf ist unverändert hoch. Ich habe etliche Frauen getroffen, die sich vorher einen Esel ausliehen, obwohl dann der Besitzer die Hälfte des Verdienstes bekommt. Wir sammeln weiter für beide Projekte.


Lesen Sie auch die Reiseberichte vom August/September 2008, November 2007, August/September 2007 (Nepal), Mai/Juni 2006, Mai/Juni 2004, Mai/Juni 2003, Mai/Juni 2002, Mai/Juni 2001, Juni 2000 und vom Februar 1998.




Hiwet Woldegirisch

Hiwet Woldegirisch: Jahrzehnte härtester Arbeit spiegeln sich in ihrem Gesicht.











































































Gelet Negassi

Gelet Negassi mit einer ihrer Töchter vor dem Haus der Schwiegereltern. Ihr Esel hat vor kurzem gefohlt.









































Techat Asfaggi

Techat Asfaggi hat den Aufstieg in die Mittelschicht geschafft.



Amna Karaden

Das Haus aus selbst geflochtenen Bastmatten und der Esel - das ist alles, was Amna Karaden besitzt. Sie macht Mehrtagesmärsche, um ihre Familie zu ernähren.



Haddija Saleh

Die Hebamme Haddija Saleh reitet mit ihrem Instrumentenkoffer zur Arbeit.



Bekita Shinkaha

Bekita Shinkaha mit ihren zwei Töchtern. Sie kaufte vor Jahren ein Kalb.


Tsirha Geresghir

Tsirha Geresghir hat für sich und ihre zehn Kinder ein großes Lehmhaus gebaut. Holz und Schilf für das Dach hat sie mit dem Esel selbst geholt.


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